„Du schreibst Fantasy? So was lese ich nicht!“ Teil 4: Schubladen

Gerade wurde eine meiner Kurzgeschichte (Tödlich gutes Tiramisu) in einer Anthologie (Der Dampfkochtopf – Geschichten und Rezepte aus der Steampunk-Küche) veröffentlicht und natürlich erzähle ich dann auch Freunden und Bekannten von solchen, für mich spannenden, Ereignissen. Soweit so gut und es ist wirklich schön, wenn andere sich mit mir freuen.

Aber (und vielleicht sollte ich noch nicht einmal überrascht sein, denn meistens unterhalte ich mich ja mit Leuten, die sich für die gleichen Dinge interessieren wie ich und deshalb fällt es mir normalerweise nicht so auf) … aber es gibt doch tatsächlich noch Menschen im meinem persönlichen Umfeld, die noch nie etwas von „Steampunk“ gehört, geschweige denn gelesen haben.

Dagegen sollte etwas unternommen werden. Deshalb folgt im letzten Teil meiner kleinen Serie über Fantasy, eine ultra-schnelle Kategorisierung der verschiedenen Subgenres der Fantasy-Literatur. Diese lassen sich natürlich nicht so streng voneinander abgrenzen, aber es ergibt sich doch ein einigermaßen nachvollziehbares Bild.

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=940684 Fabelwesen. Darstellung F. J. Bertuch 1806: Basilisk, Vogel Roch, Phönix, Einhorn, Skythisches Lamm, Chimäre
Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=940684
Fabelwesen. Darstellung F. J. Bertuch 1806: Basilisk, Vogel Roch, Phönix, Einhorn, Skythisches Lamm, Chimäre

High Fantasy

Der klassische Vertreter der Fantasy mit folgenden Merkmalen:

  • fiktive Welt, oftmals angelehnt an das europäische Mittelalter
  • Magie und irreale Wesen wie z.B. Orks, Elfen oder Zwerge, die oftmals durch die von Tolkien („Herr der Ringe“) eingeführten Völkern inspiriert sind
  • epische Konflikte bzw. der Kampf von Gut gegen Böse
  • oder der Held, der sich auf eine Reise begeben muss, um einen magischen Gegenstand zu finden bzw. eine Aufgabe zu lösen

Low Fantasy und Sword and Sorcery

Die eher abenteuerliche Variante der Fantasy:

  • auch hier gibt es eine fiktive Welt
  • im Vordergrund steht aber meistens ein Held, der durchaus etwas zwiespältig sein kann
  • die Handlung konzentriert sich eher auf das persönliche Schicksal des Helden und nicht auf die Rettung der Welt
  • actionlastiger mit einer gradlinigeren Erzählstruktur, die die Handlung rasch vorantreibt
  • kann, muss aber nicht: dezenter Einsatz magischer und mythischer Elemente

Hier finde ich z.B. meinen eigenen Roman „Mitternachsrot“ ganz gut aufgehoben.

Contemporary und Urban Fantasy

Fantasy mit Realitätsbezug:

  • eine Mischung aus realer Welt und magischen Ereignissen, die in der realen Welt stattfinden
  • fantastische Wesen können in die normale Welt eindringen oder
  • Charaktere aus der Realität gelangen in eine fiktive Welt

Kunstmärchen, Märchenromane

  • Märchenhaft oder poetisch
  • modern gestaltete, nacherzählte Märchen

Animal Fantasy

  • mit Tieren als Helden
  • im Tierreich angesiedelt, in dem sprechende Tiere agieren

Science Fantasy (Schon wieder eine Mischung, diesmal aus Fantasy und Science-Fiction Elementen)

die wiederum dem Steam-Punk sehr nahe steht, dem die folgenden Merkmale zugrunde liegen:

  • die Abbildung einer alternativen (oft dystopischen) Vergangenheit (z.B. des 19. Jahrhunderts)
  • Zugang zu „moderner“ Technologie, die z.B. auf der Dampfkraft basiert

Wer sich immer noch nichts darunter vorstellen kann, dem empfehle ich die Anthologie „Der Dampfkochtopf“ (erschienen im Verlag ohneohren) mit Steampunk-Kurzgeschichten und leckeren Rezepten zum Nachkochen.

Dark Fantasy

  • Fantasy mit starkem Horroreinschlag
  • eher düster und unheimlich

Humoristische Fantasy

  • parodistische, ironische Fantasy
  • mein Tipp: die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett

Social Fantasy

  • Behandlung von sozial- oder gesellschaftskritischen Themen
  • politische Utopien

 

Die einzelnen Subgenres ganz klar voneinander abzugrenzen oder überhaupt zu definieren, ist richtig schwer, denn in allen werden ja „unmögliche“ Dinge thematisiert. Daneben gibt es aber auch reale Elemente. So kann es natürlich durchaus sein, dass sich ein Roman gleich mehreren Subgenren zuordnen lässt (und überhaupt: Wer lässt sich schon gern in eine Schublade quetschen?).

Ich wollte hauptsächlich auch nur aufzeigen, wie viele Varianten der Fantasy es gibt und hoffe, mit dieser Zusammenfassung einen kleinen Beitrag zu leisten, dass der ein oder andere von meinen Bekannten, der bisher einen großen Bogen um Fantasy-Literatur gemacht hat, es doch einmal probiert und vielleicht eine angenehme literarische Überraschung erlebt.

Und bei der Fülle an fantastischen Möglichkeiten sollte doch eigentlich für fast jeden was dabei sein.

Für alle Interessierten gibt es hier auch noch zwei Links zum Vertiefen:
Wikipedia über Fantasy (https://de.wikipedia.org/wiki/Fantasy) oder bei der
Phantastik-Couch (http://www.phantastik-couch.de/fantasy.html)